30. Filmfest Dresden mit “Goldenem Reiter* für GeschlechterGerechtigkeit”

Am vergangenen Samstag wurden im Kleinen Haus des Staatsschauspiel Dresden die “Goldenen Reiter” verliehen. Die Auszeichnung an ausgewählte Kurzfilme bildete den Höhepunkt und feierlichen Abschluss des 30. Filmfest Dresden.

Das 1989 gegründete Filmfest Dresden ging in diesem Jahr in die 30. Ausgabe. Im Wettstreit um die “Goldenen Reiter” sind in diesem Jahr 69 Animations- und Kurzspielfilme aus 29 Ländern angetreten. Die besten Kurzfilme wurden von einer 19-köpfige Fachjury ausgewählt. Das Filmfest gehört zu den renommiertesten und höchstdotierten europäischen Kurzfilmfestivals.

Wir hatten die große Ehre in diesem Jahr einen eigenen “Goldenen Reiter* für GeschlechterGerechtigkeit” verleihen zu dürfen. Diesen Preis hat die LAG Queeres Netzwerk Sachsen gemeinsam mit der Landesarbeitsgemeinschaft Jungen- und Männerarbeit Sachsen e.V. und dem Genderkompetenzzentrum Sachsen ins Leben gerufen und gestiftet.

Eine besondere Freude war es uns schließlich die deutsche Produktion „Neko no Hi – Cat Days“ auszeichnen zu können. Gemeinsam mit der Sächsischen Staatsministerin für Gleichstellung und Integration, Petra Köpping, konnten die drei stiftenden Vereine den “Goldenen Reiter* für GeschlechterGerechtigkeit” mit 1000€ dotierten.

In der gemeinsamen Begründung der Goldenen Reiter* für GeschlechterGerechtigkeit im Kurzfilm beim Filmfest Dresden 2018 schrieben wir: „Der ausgezeichnete Animationsfilm ist stilistisch und formal für Kinder gemacht. Er bietet jedoch eine wunderbare, weit darüber hinausreichende, inhaltliche Tiefe für jede*n Menschen*.

Die Geschichte: beim Anblick eines rosa gefärbten Spielzeug-Panzers muss Jiro, ein etwa achtjähriger Junge in Japan, niesen. Wie sich im Krankenhaus herausstellt, ist Jiro erkrankt an einer Grippe, die nur Katzen bekommen können. Katzengrippe – mit dieser Kurzdiagnose beginnen der Filmheld über das Junge-Sein und sein alleinerziehender Vater über Identität nachzudenken. Die finale Diagnose spitzt diesen Prozess noch zu: Jiro hat nicht nur Katzengrippe, sondern auch die DNA einer Katze. Der Junge sollte nach Meinung der Ärztin wie eine Katze behandelt und erzogen werden. Diese schockierende Absurdität des Films nimmt den Zuschauenden mit. Der Animationsfilm lässt uns in Menschen in der Phase der Selbstfindung und -bestimmung eintauchen.

Die Krankheit des Jungen spielt schnell keine Rolle mehr, denn der Film dreht sich im Kern um die systematische Oktroyierung geschlechtlicher Rollenbilder. Durch welches Verhalten wird ein Mensch als Junge* oder Mädchen* gelesen? Weil Jungen* mit Panzern spielen und Mädchen* im Wald „Natur-Kaputtmachen“? Nein, der Film gibt darauf eine eindeutige Antwort: Menschen leben ihre (geschlechtliche) Identität, weil Jede*r selbst sich dafür entscheidet, so zu leben, wie Jede*r es möchte. Rollenbilder, die die Gesellschaft dabei anbietet, können und dürfen nicht aufgebürdet, sondern sollen hinterfragt werden. Im Film wird die Fremdzuschreibung von Geschlecht über die Absurdität des Jungen als Katze offengelegt, ja bloßgestellt. Die Erkenntnis: Wege zur eigenen Identität, nicht nur geschlechtlich, sind frei und dürfen autonom gegangen werden. Jiro will ein Superhelden-Panzermonster werden, seine Freundin eine Karate-Prinzessin. Gut so.

Die Entwicklung der eigenen Identität braucht Freiheit. Der autoritären Definitionsmacht der ärztlichen Diagnose „He is a cat.“ setzt der Film ein ermutigendes und „Be whatever you want to be.“ entgegen. Gemacht für Kinder, ist dieser Film wichtig für die selbstbewusste Entscheidung eines jeden Menschen. Leben wir das, was wir wirklich fühlen! Der Gewinner des Goldenen Reiter* für GeschlechterGerechtigkeit beim Filmfest Dresden 2018 ist Neko no Hi – Cat Days von Jon Frickey“.

Das 30. Filmfest Dresden war für uns eine emotionale und berührende Geschichte. Wir hoffen dieses renommierte Kurzfilmfest auch im kommenden Jahr mit dem “Goldenen Reiter* für GeschlechterGerechtigkeit” bereichern zu können. Vielleicht erlebenden wir dann auch einen schrittweisen Kulturwandel in Sachen Geschlechtergerechtigkeit in der Filmbranche. Denn wenn fast ausschließlich Männer Preise verleihen und Laudationen halten, während Frauen größtenteils daneben stehen, dann ist das im Jahr 2018 für kein Filmfest der Welt besonders auszeichnend.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.