Regenbogenfamilien in Sachsen

Viele Kinder in Sachsen wachsen in Familien auf, in denen sich mindestens eine Sorgeperson als lesbisch, schwul, bisexuell, trans, nichtbinär, inter und/oder queer verortet. Regenbogenfamilien sind in der ständigen Beweispflicht, eine „echte“ Familie und gute Eltern zu sein. Wir wollen uns mit Ungleichbehandlungen und Benachteiligungen nicht abfinden und für mehr Sichtbarkeit sorgen.

Bis zum 06. Juni stellen wir euch verschiedene Familien vor und lassen sie aus ihren Leben erzählen.

Das hier ist eine davon:

Aus unserer Erfahrung heraus haben sich fast alle Befürchtungen in Bezug auf unser öffentliches Leben als schwules Paar und Regenbogenfamilie überhaupt nicht erfüllt. Deshalb ist unser Ansatz ein anderer: Hat immer nur das Umfeld, die Gesellschaft, die Politik die Verantwortung dafür, wie uns im alltäglichen Leben begegnet wird? Haben wir es nicht selbst in der Hand, die Reaktionen auf uns zu normalisieren? Ist Normalität nicht eigentlich das, wo nach sich jede Minderheit sehnt? Kann es funktionieren, dass der „Normalbürger“ auf uns normal reagiert, wenn sowohl politisch, als auch medial die Fokussierung auf schrille, bunte und laute Vertreter unserer Community gesetzt wird? Und da setzt nach unserer Meinung die einzige Kritik an. Zur Abbildung vielfältiger Lebensweisen gehört eben auch, dass von der Norm abweichende Konstellationen dennoch ein ganz normales, unaufgeregtes Leben Miteinander und füreinander führen können.

So wie wir:
Unsere Berufe: Lehrer und Krankenpfleger
Unser Wohnort: Ein kleiner Bauernhof in einem noch kleineren Dorf
Unsere Familienmitglieder: Marians 16 jähriger Sohn (verbringt den halben Monat bei uns – Wechselmodell), seine Fische und unsere zwei Hofkater und natürlich wir zwei
Unsere Hobbys: Landschaftspflege mit unseren Hofmitarbeitern (Ziegen, Schafe und Zwergrinder), Entspannung bei der Gartenarbeit (sofern nicht zu viel Unkraut wächst 😊), regemäßige Besuche unserer Familien, Reisen, Freunde treffen, Kino- und Theaterbesuche und vor allem Musik machen (Geige, Klavier, Oboe und Bassklarinette)


Wir sind Marian und Matthias, vor ein paar Jahren raus aus der Stadt und auf ein kleines Dorf in der Nähe von Weimar gezogen. Haben uns von Anfang an in die Dorfgemeinschaft aktiv integriert und nicht gewartet, dass es jemand mit uns tut. Neue Freunde gefunden, Vorbehalte in Luft aufgelöst, meistens läuft der Alltag rund und manchmal stellt er uns vor große Herausforderungen, manchmal zoffen wir uns, aber meistens vertragen wir uns, Marians Sohn erfreut uns „noch“, mit einer bisher äußerst harmlos verlaufenden Pubertät, genießt unsere Dreisamkeit, spielt mit uns neuerdings gerne Gesellschaftsspiele und schleppt vor allem regelmäßig seine Freunde mit auf unseren Hof, die sich mit Begeisterung entweder im großen Garten, im Stall bei den Hasen oder einfach nur ideenlos an ihren digitalen Endgeräten erfreuen. Unser Traum ist es, unseren Hof in Richtung Selbstversorgung weiterzuentwickeln.

Unser Fazit: In den letzten zehn Jahren hat sich enorm viel positiv für die Gleichberechtigung von Minderheiten vielfältiger Art getan (Ehe für alle,…) und dennoch kann man sich nicht nur auf die Rahmenbedingungen verlassen, sondern hat es selbst und aktiv in der Hand, wie „normal“ man mit seiner Persönlichkeit und seinem Leben wahrgenommen wird. Dann ist die Chance groß, dass Konstellationen schon bald vollkommen egal sind. Marian würde sich noch wünschen, dass Mütter durch Ämter und Gesetzgeber nicht grundsätzlich, aufgrund ihres Geschlechts (oder weshalb auch immer) als Elternteil mit mehr Rechten und Freifahrtscheinen ausgestattet werden.

Unser Mottos: „Land – Liebe – Leben“ und „Wir leben auf dem Dorf und sind stolz darauf!“

Ein großer Dank geht an Julika für die fantastischen Illustrationen der teilnehmenden Familien! https://julika-prantner-weber.de/