Regenbogenfamilien in Sachsen

Viele Kinder in Sachsen wachsen in Familien auf, in denen sich mindestens eine Sorgeperson als lesbisch, schwul, bisexuell, trans, nichtbinär, inter und/oder queer verortet. Regenbogenfamilien sind in der ständigen Beweispflicht, eine „echte“ Familie und gute Eltern zu sein. Wir wollen uns mit Ungleichbehandlungen und Benachteiligungen nicht abfinden und für mehr Sichtbarkeit sorgen.

Bis zum 06. Juni stellen wir euch verschiedene Familien vor und lassen sie aus ihren Leben erzählen.

Das hier ist eine davon:

„Wir sind Nils, Cathy und Bine. Wir wohnen in Dresden und sind nicht weniger verrückt, spießig oder normal wie alle anderen. Bei uns wird viel gelacht und wir lesen alle drei sehr, sehr gern. Uns geht es uns gut. Wir sehen, dass sich in den vergangenen Jahren sehr viel in der Gesellschaft getan hat und unserer Wahrnehmung nach die Akzeptanz von Regenbogenfamilien gestiegen ist. Allerdings gibt es Einiges, das noch besser zu handlen wäre. Es sind kleine Dinge, die aber unter Umständen größeren Einfluss haben können.

Ein Beispiel: wenn auf der Schulhortkarte die Daten der Eltern mit „Telefon Mutter“ und „Telefon Vater“ abgefragt werden. Natürlich könnten wir das korrigieren, durchstreichen und „Mutter“  und „Mutter“ daraus machen. Warum aber sollten wir das tun, wenn es bedeuten kann, dass unser Kind ständig daran erinnert wird, dass seine Karte korrigiert werden musste, weil seine Familienkonstellation eine andere ist? Das ist einfach eine unglückliche Situation. Besser  wäre es doch, einfach „Telefonnumer(n) der Familie“ o. Ä. hinzuschreiben und dann genügend Platz für die Angaben zu lassen. Das könnte man doch einfach mitdenken. Zum Beispiel gibt es bei unserem Kind in der Klasse mehrere Regenbogenfamilien, was natürlich toll ist, weil es die Kinder dann wirklich als Normalität erfahren.  Aber spätestens dann müsste sowas wie mit der Hortkarte doch auffallen. Es gibt aber auch sehr positive Beispiele, die nicht immer etwas mit Gesetzen zu tun haben, sondern mit Respekt und Menschlichkeit.

Schön wäre es, wenn es mal ein paar mehr Kinderbücher gäbe, in denen nicht nur gleichgeschlechtliche Eltern vorkommen. Oder auch Schulbücher, wo es in der Abbildung von Familien divers zugeht. Wir haben vielleicht 20 Bücher zu dem Thema, vermutlich alle, die auf dem Markt sind. Darauf kommen dann hunderte bis tausende Bücher mit Mamas und Papas.

Was gesellschaftlich tatsächlich richtig schlecht läuft, ist die Akzeptanz gegenüber Transpersonen, die leider Respektlosigkeiten, Anfeindungen und Schmähungen ausgesetzt sind.

Grundsätzlich sollte sich Familienpolitik um die Belange von Familien kümmern, dabei hat es dem Gesetzgeber, den Ämtern und Behörden, Krankenkassen oder Versicherungen herzlich egal zu sein, welche Identität oder sexuelle Orientierung die sorgeberechtigten Personen haben. Wichtig ist doch, dass man füreinander einsteht und sich umeinander kümmert. Da wäre dann auch zu klären, ob man nicht am Abstammungsrecht und der unseligen Sache mit den Stiefkindadoptionen was ändern könnte.

Dass wir unser eigenes Kind stiefkindadoptieren mussten, samt dem ganzen Gerichtsprozess der mehrere Monate dauerte. Alle Personen hier in Dresden in diesem Verfahren waren zwar nett, aber wir wissen, dass es in Jugendamt und Gericht auch krasse Diskriminierungen geben kann. Denen wären wir dann hilflos ausgesetzt gewesen. Gerade bei einem Neugeborenen will man es einfach nur beschützen und erlebt dann Kontrollverlust und Unsicherheit. Es sind Kleinigkeiten. Meine Frau war zeitweilig als Vater in der Geburtsurkunde vermerkt; das wurde dann korrigiert. Die nette Mitarbeiterin im Einwohnermeldeamt hat sich dafür entschuldigt, dass das PC-Programm darauf noch gar nicht umgestellt war. Zum Glück konnte sie es händisch eingeben. Bis dahin mussten Vorsorgevollmachten schreiben und dergleichen.

Und vorher war noch der Punkt, dass wir keine Kinderwunschklinik in Sachsen gefunden hatten, um unseren Kinderwunsch zu erfüllen, sondern nach Berlin fahren mussten. Wären wir ein heterosexuelles Ehepaar, hätte uns die Krankenkasse unterstützt, so bezahlten wir alles selber, obwohl es eine medizinische Diagnose gab, abseits der Paarkonstellation. Das kann doch nicht richtig sein. Seitdem unser Kind nun größer ist, gab es aber keine Diskriminierung sondern ganz normaler langweiliger Alltag, wo andere Dinge eine größere Rolle spielen.”

Ein großer Dank geht an Julika für die fantastischen Illustrationen der teilnehmenden Familien! https://julika-prantner-weber.de/