Regenbogenfamilien in Sachsen

Viele Kinder in Sachsen wachsen in Familien auf, in denen sich mindestens eine Sorgeperson als lesbisch, schwul, bisexuell, trans, nichtbinär, inter und/oder queer verortet. Regenbogenfamilien sind in der ständigen Beweispflicht, eine „echte“ Familie und gute Eltern zu sein. Wir wollen uns mit Ungleichbehandlungen und Benachteiligungen nicht abfinden und für mehr Sichtbarkeit sorgen.

Bis zum 06. Juni stellen wir euch verschiedene Familien vor und lassen sie aus ihren Leben erzählen.

Das hier ist die Geschichte von Hannah, Lisa, Tilda, Bahar und Notker:

Hannah (37), Tildas Mutter:

  • Wir überlegen uns gut, wo wir als Familie leben wollen und wohin es in den Urlaub geht. Nicht so sehr wegen uns, aber aus Sorge über die Reaktionen, die unser Kind womöglich abbekommt.
  • Meine Familie ist so, wie ich sie möchte.
  • Die Gesetze haben uns zur Ehe gezwungen. Ohne verheiratet zu sein, hätten wir nicht beide rechtliche Eltern unseres Kindes werden dürfen.
  • Ich habe meinem Großvater erzählt, dass wir ein Kind bekommen, aber ich nicht schwanger bin. Er meinte, ich solle ihm Bescheid sagen, wenn ich Vater geworden bin. Irgendwie habe ich mich darin gesehen gefühlt.
  • Ich bin sehr froh, dass Tilda nicht das einzige Regenbogenkind in ihrer Kita ist.

Lisa (33), Tildas Mutter:

  • Von uns wird ständig gefordert, uns an die Normen der heterosexuellen Kleinfamilie anzupassen. Das ärgert mich, denn es sollte eher umgekehrt sein: Die meisten heterosexuellen Kleinfamilien könnten von Regenbogenfamilien eine Menge lernen!
  • Ich habe während der Geburt meines Kindes mein Testament geschrieben. Es war wichtig, das zu tun, bevor unser Kind da ist. Denn mein Testament war bis zum Abschluss der Stiefkindadoption unsere einzige Möglichkeit sicherzustellen, dass Tilda bei ihrer anderen Mama bleiben kann, falls mir etwas passiert.

Bahar (37), Tildas Mitbewohnerin:

  • Nur wenige Leute verstehen meine Verbindung zu Tilda, der Rest sieht darin nur ein beiläufiges Interesse an dem Kind einer Freundin.
  • Ich wollte nie Elternteil sein, hasste es, ein Kind zur Welt zu bringen, aber liebte es, mit Kindern zusammen zu sein, sie kennenzulernen und sich in ihr Leben einzumischen. Voilà! Ich habe meine Lösung!

Notker (37), Tildas 3. Elternteil:

  • Meine Beziehung zu unserem Kind kommt nicht von einer Samenzelle, sondern von vielen gemeinsamen Wochenenden.

Tilda (4):

  • Ich habe drei Mamas. Hannah räumt die Wäsche auf, Lisa kocht und Bahar geht mit mir spazieren.“

Ein großer Dank geht an Julika für die fantastischen Illustrationen der teilnehmenden Familien! https://julika-prantner-weber.de/