Netzwerk gegen LSBTTIQ*-Feindlichkeit in Sachsen: Polizei und Communities wollen Hassgewalt keine Chance geben

Am heutigen Internationalen Tag für Betroffene von Hasskriminalität veröffentlichen die Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Queeres Netzwerk Sachsen und die Polizei Sachsen einen gemeinsamen Infoflyer zu Hasskriminalität gegen LSBTTIQ. Ziele sind es, Anlaufstellen für Betroffene LSBTTIQ zu vermitteln, Vertrauen zwischen Communities und Polizei aufzubauen und die Anzeigebereitschaft bei LSBTTIQ*-feindlichen Straftaten zu erhöhen.

Für 2020 erfasste der Kriminalpolizeiliche Meldedienst in Fällen politisch motivierter Kriminalität lediglich 13 Straftaten aufgrund der sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität in Sachsen. Bis zu 90% solcher Verbrechen werden jedoch nicht angezeigt. Bislang standen in Sachsen keine Formate zur Verfügung, um gezielt Informationen für Betroffene zu bündeln und zugänglich zu machen.

Dazu erklärt Martin Wunderlich, Pressesprecher der LAG Queeres Netzwerk Sachsen: „Seit mehr als drei Jahren stehen wir mit dem Landeskriminalamt in Austausch. In den letzten Monaten haben wir intensiv daran gearbeitet, ein Netzwerk zwischen Sachsens queeren Vereinen, den Opferschutzbeauftragten der Polizeidirektionen und der Zentralen Ansprechstelle für LSBTTIQ* beim LKA Sachsen aufzubauen. Dieser Infoflyer ist ein weiterer Baustein in unserem Kampf gegen LSBTTIQ*-Feindlichkeit in Sachsen.“

Der Flyer wird in einer ersten Auflage von 5.000 Stück an die in der Beratung tätigen queeren Vereine Sachsens, die Polizeidienststellen und Multiplikator*innen ausgeteilt. Weitere Auflagen sind geplant. Außerdem steht der Flyer digital, dauerhaft und frei als PDF zum Download zur Verfügung.

Seit 2017 ist der sächsische „Landesaktionsplan zur Akzeptanz der Vielfalt von Lebensentwürfen“ eine Grundlage zur Förderung der Akzeptanz von sexueller und geschlechtlicher Vielfalt. Im Januar 2018 begann der Austausch zwischen der LAG Queeres Netzwerk Sachen mit der Polizei Sachsen. Die Gewalterfahrungsstudie der LAG Queeres Netzwerk Sachen von 2019 zeigte erstmals das Ausmaß von queerfeindlicher Gewalt in Sachsen – und die geringe Anzeigebereitschaft gegenüber der Polizei. Seit 01. August 2019 gibt es die Zentrale Ansprechsprechstelle (ZASt) für LSBTTIQ* beim Landeskriminalamt und 2020 folgte eine gemeinsame Fachtagung mit vielen Vertreter*innen der Polizei Sachsen, zur Vernetzung mit den queeren Vereinen.

„Mit dem gemeinsamen Flyer setzen wir diesen Weg fort. Aber trotz erster Fortschritte haben wir noch einen sehr weiten Weg zu gehen“, ergänzt Wunderlich und verweist auf die nächsten Schritte. „Fokussieren von LSBTTIQ* bei Präventions- und Opferschutzmaßnahmen, Sensibilisierung der Polizei für Lebenslagen von LSBTTIQ, sachsenweite Implementierung spezieller Ansprechpartnerinnen für LSBTTIQ* bei der Polizei – diese Maßnahmen müssen zwingend, zeitnah und nachhaltig folgen, um bestehende Vertrauensbarrieren abzubauen und die Anzeigebereitschaft zu erhöhen“, so Wunderlich

Für September 2021 ist eine weitere gemeinsame Fachtagung mit Vertreter*innen verschiedener Polizeidienststellen und Sachsens queeren Vereinen geplant.