Landrät*innenwahlen 2022 – Unsere Wahlprüfsteine

Am 12. Juni werden in neun sächsischen Landkreisen Landrät*innen gewählt. Was ein*e Bürgermeister*in für eine kreisfreie Stadt ist, ist ein*e Landrät*in für einen Landkreis: Sie sind die obersten Kommunalbeamt*innen im Landkreis, vertreten den Landkreis nach außen und werden von den Bürger*innen gewählt. Sie sind für die Erledigung der Aufgaben in der Kreisverwaltung verantwortlich und regeln auch ihre innere Organisation. Landrät*innen sind Vorsitzende des Kreistages und der dazugehörigen Ausschüsse.

Landrät*innen sind also zentrale und wichtige Positionen mit vielen Entscheidungsmöglichkeiten. Deshalb haben wir alle Kandidierenden gefragt, wie sie Lebenslagen und Bedürfnisse von lsbtiq* Personen in den verschiedenen Gebieten berücksichtigen werden.

Auf folgende Fragen haben wir um eine Antwort gebeten:

  1. Wie wollen Sie die Lebensqualität queerer Menschen im Landkreis [Musterlandkreis] verbessern?
  2. Wie stehen Sie zu geschlechtergerechter Sprache?
  3. Wie kann die Nutzung öffentlicher Toiletten für trans* und inter* Personen vereinfacht werden?
  4. Was halten Sie von dem Vorschlag eines Gleichstellungsbeirates im Landkreis [Musterlandkreis], in dem auch die Belange von lsbtiq* Personen Raum haben?
  5. Wie wollen Sie die Sichtbarkeit queerer Menschen im Landkreis [Musterlandkreis] verbessern?

(Einige der Antworten werden wir zum Schutz unserer Community vorerst nicht veröffentlichen.)

Erzgebirgskreis

Volker Weber (Freie Wähler)

  1. Vorurteile durch Aufklärung abbauen auch mit Hilfe der Gleichstellungsbeauftragten des LRA.
  2. Alles, was die Sprachwissenschaft als regelkonform erachtet und empfiehlt, finde ich sehr angemessen. Aus Gründen der erleichterten Lesbarkeit sollten neutrale Begrifflichkeiten od. das generische Maskulinum Verwendung finden.
  3. Evtl. durch Anbringung geeigneter Symbole.
  4. Die Gleichstellungsbeauftragte ist meines Wissens mit sehr vielen Interessengruppen vernetzt und bei vielen Entscheidungen beteiligt.
  5. Wie ist die Frage gemeint? Möchten Sie queere Menschen „kennzeichnen“ bzw. anderweitig „stigmatisieren“? Bitte ggf. Frage präzisieren/konkretisieren

Holger Zimmer (Die Linke)

  1. Für mich als zukünftiger Landrat geht es darum, die Lebensqualität aller Menschen des Erzgebirgskreises zu verbessern. Dabei macht es für mich keinen Unterschied, welchem Geschlecht der Mensch angehört. Zur Verbesserung der Lebensqualität gehört für mich, angemessener und bezahlbarer Wohnraum für alle. Ein auskömmliches Einkommen und erträgliche Mieten für alle. Natürlich gehört da auch ein schnelles Internet, gute ausgebaute Straßen und noch vieles mehr dazu. Wichtig ist, mit allen Gruppen der Gesellschaft wertschätzend, gleichberechtigt und nicht diskriminierend umzugehen.
  2. Ich mag diese Sprache persönlich überhaupt nicht, weil es dazu führt, dass Texte teilweise bis zur Unleserlichkeit verstümmelt werden. Sprache hat nur begrenzten Einfluss auf die gesellschaftlichen Verhältnisse. Gendern führt z.B. eben nicht zu besserer Bezahlung von Frauen. Wenn es denn aber unbedingt eine geschlechtergerechte Sprache geben soll, dann aber bitte nach Regeln und nicht wie jeder meint es zu verwenden.
  3. Also, das Thema öffentliche Toiletten ist ganz sicherlich kein Thema für eine Landratswahl, denn öffentliche Toiletten fallen in den Zuständigkeitsbereich der Städte und Gemeinden und damit der Bürgermeister. Trotzdem wären Unisex Toiletten wohl die einfachste Lösung. Leider ist die Gesellschaft im Kopf noch nicht so weit, so etwas zu akzeptieren.
  4. Ganz wichtig und das sollte der neue Landrat auch auf dem Schirm haben.
  5. Zuerst mit Ihnen ins Gespräch kommen und dann gemeinsam überlegen, ob sie es überhaupt wollen sichtbar zu werden, was im Erzgebirge sicherlich schwierig werden könnte. Wenn ja, gemeinsame Strategien finden, wie so etwas behutsam umgesetzt werden kann.

Tino Günther (FDP)

Görlitz

Stephan Meyer (CDU)

  1. Ich möchte die Lebensqualität aller Menschen im Landkreis Görlitz verbessern und dazu beitragen, dass unsere Heimat als toleranter, weltoffener und vielfältiger Landkreis wahrgenommen wird. Dabei habe ich alle Menschen im Blick.
  2.  Ich verwende die weibliche und die männliche Form, um der geschlechtergerechten Sprache Rechnung zu tragen.
  3. Ich sehr hierzu keine Veranlassung die bisherige Nutzung zu ändern. Wichtig ist, dass barrierefreie öffentliche Toiletten in den Kommunen haben und diese in einem anständigen Zustand sind.
  4. Ich sehe die Stelle der / des Gleichstellungsbeauftragten als wichtiges Bindeglied in alle gleichstellungspolitischen Belange, Strukturen und Gremien an und werde diese Position auch direkt beim Landrat verankern. Über die Einrichtung von Beiräten wird mit dem Kreistag zu befinden sein.
  5. Diese Sichtbarkeit setzt das Engagement aus dem Bereich voraus und sollte schlichtweg keine Besonderheit, sondern Alltag, beispielsweise bei kulturellen Veranstaltungen, sein.

Kristin Schütz (FDP)

  1. Ich bin Freie Demokratin und werde mich als Landrätin, um die umfassende Anerkennung und Akzeptanz von sexueller und geschlechtlicher Vielfalt und die Teilhabe von LSBTTIQ* in allen gesellschaftlichen Bereichen bemühen und dies in meinem Auftreten und meinen Handlungen vorleben. Es ist für mich einfach selbstverständlich!
    Ich erkenne die Lebensrealitäten und Bedarfe von LSBTTIQ* in allen Bereichen der Gesellschaft als selbstverständlich an und werde diese bei Entscheidungen berücksichtigen.
    Ich setze mich zu dem für das Verbot von geschlechtszuweisenden, medizinisch nicht notwendige Operationen an nicht zustimmungsfähigen Personen ein.
    Sexuelle und geschlechtliche Vielfalt als Unterrichtsthema, sollte spätestens ab Klasse 9 im Rahmen der Familienbildung Thema sein. Jugendliche in diesem Alter sind – noch – aufgeschlossen und auf der Such nach sich selbst und sehr interessiert.
    Der Gezielter Aus- und Aufbau queerer Selbsthilfestrukturen und Netzwerke in Kleinstädten und im ländlichen Raum durch zur Verfügungstellung von kostenlosen Räumlichkeiten für Treffs, ist ein wichtiges Thema für mich. Wie sich die Lebensqualität weiter verbessern kann, hängt auch von jeder einzeln Personen selbst ab. Ich lade in einen weltoffenen, grünen und innovationsfreudigen Landkreis Jeden ein, sich einzulassen auf Veränderungen und sich ‘zu zeigen’. Ich werde in allen Gesprächen und Statements immer darauf verweisen, dass es um jeden einzelnen Menschen geht. Zitat einer Bekannten. “Ich lebe immer nach der Devise leben und leben lassen und versuche mit jeder Person klar zu kommen (man muss ja nicht jede Person gleich heiraten).”
  2. An dieser Stelle zitiere ich Christian Lindner vom 24.09.2021 auf abgeordnetenwatch.de, deren gleichen Meinung ich auch bin. “Die “modernen” Genderformen wie das Binnen-I oder den Genderstern nutze ich persönlich nicht. Ich halte sie auch weder für notwendig noch für zielführend – vor allem auch deshalb, weil unsere Sprache schon längst viele Möglichkeiten kennt, Vielfalt und Diversität auch über die konventionellen Gattungsbegriffe hinaus darzustellen. Zum Beispiel: “Der Krankenpfleger und die Ingenieurin verdienen beide eine Steuerentlastung.” 
    Ich persönlich lege zumindest großen Wert darauf, immer auch eine weibliche Form zu verwenden. Ich als Freie Demokratin, lehne Sprechverbote in jede Richtung jedenfalls ab – sowohl von vermeintlich progressiver als auch von reaktionärer Seite.
    Und wenn jemand mit einer ganz speziellen Anrede angeredet werden möchte und die betreffende Person teilt es vorher mit, dann ist es für mich persönlich völlig ok.
  3. Ich glaube, dass sollte man keiner Stadt, keinem Betreiber von einem Einkaufscenter oder Universität gesetzlich vorschreiben. Wenn jemand Platz für eine Unisex-Toilette hat, dann kann und soll der Betreiber es auch umsetzen können. Da alle Toiletten über Kabinen (verschlossene Türen) verfügen, sollte die Benutzung, egal mit welchem Symbol, für alle möglich sein. ‘Schiefe Blicke’ gilt es von beiden Seiten auszuhalten und zu lächeln.
  4. Ja, sicher. Aber es sollte nicht für jede Personengruppe einen eigenen Gleichstellungsbeirat geben (da man schon wieder ausgrenzen könnte), sondern einen gemeinsamen Gleichstellungsbeirat für alle Personengruppen, in der es unterschiedliche Ansprechpartner und Ansprechpartnerinnen für die einzelnen Themengebiete gibt.
  5. Wenn sich die Sichtbarkeit queerer Menschen in Deutschland verbessert, sei es durch die Medien, Vorbilder in Politik, Sport und Kunst, wird sich auch in Folge die Situation in unserer ländlich geprägten Region ändern. Ich werde in meinem öffenlichen Amt als zukünftige Landrätin und auch privat, keinen Unterschied machen, wer neben mir steht. 
    Denn nur Sichtbarkeit führt auch zu mehr Wissen bei  heterosexuellen Menschen und zu Aufmerksamkeit für die Anliegen von LSBTIQ. Da auch die Flaggenordnung geändert wurde und ein Landratin die die Regenbogenflagge hissen kann, dann werde ich dis auch tun. Den Bürgermeisterinnen und Bürgermeister vor Ort werde ich dazu ermutigen. Ansonsten verweise ich auf die Antworten aus Frage 1, denn wenn sich die Lebensqualität verbessert, verbessert sich auch die Sichtbarkeit und Zufriedenheit.

Leipzig

Denny Trölenberg (Die Linke)

  1. Mir ist es wichtig mehr Sichtbarkeit für das Thema queeres Leben im Landkreis Leipzig zu schaffen. Dafür möchte ich mich gern mit Akteur:innen austauschen und deren Sorgen, Nöte und auch Ängste kennenlernen. Es gibt bereits Angebote und Unterstützung von Vereinen und Initiativen, diese möchte ich gern ausbauen. 
  2. Ich versuche in Schrift und Sprache zu gendern, gebe aber zu, dass es mir immer noch schwer fällt vor allem im alltäglichen Sprechen. Leider ist es immer noch schwierig die weibliche und männliche Form gleichberechtigt nebeneinander zu benutzten, ob in den Verwaltungen, oder Eigenbetrieben des Landkreises. Hier muss noch viel passieren und vor allem sensibilisiert werden. 
  3. Am besten fände ich es, wenn es keine Unterscheidung mehr gäbe und wir alle eine Toiletten benutzen können. Soweit sind wir noch nicht und deswegen muss es auch Lösungen für trans* und inter* Personen geben bspw. durch eine dritte Toilette. 
  4. Ich finde den Vorschlag super. Ein Beirat in dem lsbtiq*Personen ihre Forderungen und Ideen für den Landkreis diskutieren und entwickeln können ist eine große Unterstützung, um den Landkreis Leipzig auch in Gleichstellungsfragen voran zu bringen. Wichtig wäre mir auch, dass der Beirat ein Initiativrecht hat, um Anträge im Kreistag einzubringen. 
  5. Veranstaltungen, wie beispielsweise der IDAHIT in Wurzen machen im öffentlichen Raum sehr gut sichtbar, dass in Gleichstellungsfragen noch einige Herausforderungen bestehen. Ich danke auch den Initiativen, die immer wieder mit Informationsveranstaltungen zu verschiedenen gleichstellungspolitischen Themen darunter auch die Probleme queerer Menschen in unserem Landkreis aufmerksam machen. Diese Aktionen unterstütze ich sehr gerne und setzte mich auf allen Ebenen dafür ein, die Belange von queeren Menschen zu berücksichtigen sei es in der Verwaltung, in den Entscheidungsgremien, in allen Eigenbetrieben des Landkreises, bei öffentlichen Veranstaltungen und auch in der Kommunikation mit der Landesebene. Wichtig ist mir dabei natürlich auch die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises mehr in ihrer Arbeit zu unterstützten.

Nordsachsen

Torsten Pötzsch (SPD, Grüne, Die Linke)

  1. Mehr Miteinander. Für Nordsachsen. Möglich Machen. Mit diesem Leitspruch verbinde ich die Chance, den Grundstein für einen gesellschaftlichen Zusammenhalt und Lebensqualität für alle Menschen im Landkreis legen zu können, die diesen Zusammenhalt auch wollen. Und gerade queere Menschen oder das Thema Queerness müssen aus meiner Sicht in diesem Zusammenhalt mitgedacht werden. 
    Dafür ist Gespräch und Verständnis aller Beteiligten nötig. Queere und Menschen die sich nicht als queer Bezeichnen müssen sich auf Augenhöhe begegnen und Berührungspunkte miteinander haben. Hier könnt auch ihr etwas tun. Ein Miteinander und Teilhabe an gesellschaftlichen und politischen Projekten gehen für mich Hand in Hand. Also beteiligt euch an diesem Miteinander, kommt auf mich zu und redet mit mir. Besser noch, beteiligt euch selbst aktiv in politischen Diskursen und Abläufen. Viele Informationen und Ideen, die ich euch auch im Folgenden erläutere, stammen beispielsweise direkt von den drei queeren Personen der Jusos Nordsachsen, die miteinander Ihre Themen an mich herangetragen haben. Und nur so kann das Miteinander funktionieren. Ich bin in erster Linie Mensch, kein Allroundgenie. Ich bin auf die Mitarbeit und Ideen Anderer angewiesen, um sie vertreten zu können.
    Aufgrund meiner Erfahrung als Sozialarbeiter habe ich aber auch eine sehr konkrete Vorstellung. Ich möchte Mehrgenerationenhäuser im Landkreis erhalten, Schulsozialarbeit weiter unterstützen, Anlaufstellen für Menschen erhalten und schaffen, die Hilfe wünschen oder benötigen. Denn aus Erfahrung weiß ich, wie wichtig es ist, sich an Menschen wenden zu können, wenn man sonst nicht weiß, an wen man sich wenden kann.
    Mit all dem kann ich nicht garantieren, die Lebensqualität queerer Menschen im Landkreis sofort verbessern zu können, denn ich kann die Meinungen und Haltungen, vielmehr noch die falschen Wahrheiten intoleranter Menschen nicht ändern. Aber viele Menschen sind gar nicht intolerant, sie brauchen vielleicht nur etwas Hilfe anderer Menschen, die Ihnen zeigen, wie tolerant sie sein können. Und das können wir zusammen angehen.
  2. Wie schon erwähnt arbeite ich derzeit als Sozialarbeiter in der Jugendberatung im Mehrgenerationenhaus Arche Eilenburg. Mir ist der Umgang mit allen Menschen auf Augenhöhe besonders wichtig. Sei es mit älteren Menschen, jungen Menschen, Menschen mit oder ohne Migrationshintergrund oder eben Menschen die sich der LGBTQI*-Community zugehörig fühlen. 
    Sprache ist dabei eines der Mittel, mit dem wir unsere inneren Überzeugungen zum Ausdruck bringen und dem Gegenüber vermitteln, ob wir seine Bedürfnisse ernst nehmen, es respektieren. Aus diesem Grund ist mir geschlechtergerechte Sprache in jedem Fall wichtig. Da sich Politik und das Verwaltungshandeln sich an Alle Menschen richtet, z.B.  an ältere und junge Menschen oder Hochgebildete und an Menschen mit fehlenden Grundbildungskompetenzen ist in der in der Kommunikation ein Kompromiss nötig. Hier sei nur das Stichwort „Leichte Sprache“ genannt. Ich werde also, ich in meiner Rolle als Landrat, nicht alle öffentlichen Ankündigungen in der Schreibweise mit * oder : oder | kennzeichnen können. Liebe Community, seid euch aber sicher, dass ich euch immer berücksichtige und auch ohne die entsprechende Sprache aus Überzeugung mit vertrete.
  3. Wenn andere Menschen nicht so tolerant sein wollen, und akzeptieren, dass jeder Mensch auf die Toilette gehen darf, die er für sich als die Richtige ansieht, ist das nicht nur für euch, sondern für uns alle ein Problem. Denn ich bin Teil dieser Gesellschaft, die in diesem Bereich dann Menschen diskriminiert. Und ich lehne jegliche Diskriminierung ab. Doch genauso wenig kann ich auch hier die Meinung und Haltungen, oft sogar schlicht falsche Ansichten der Menschen verändern. Mit Toiletten, die strikt nach Mann und Frau getrennt sind, wird es immer nur zwei Kategorien geben. Schnelle Lösungen sind nicht einfach. Da in allen öffentlichen Gebäuden eine barrierefreie Toilette verbaut sein muss, die extra abgetrennt ist, sehe ich diese aber immer dann als Lösung an, wenn unangenehme Situationen entstehen können. Bitte nutzt diese zum Schutz, auch wenn es nicht das ist, was sich zum Beispiel trans* und inter* Menschen wünschen. Wenn ihr Ideen dazu habt, wie man die Dritte Toilette nicht nur für Menschen mit Einschränkungen kennzeichnen kann, sondern auch für queere Personen, freue ich mich über einen Austausch und eure Ideen. Mittel- und langfristig, vor allem bei Neu- und Umbauten, werde ich mich für das Einrichten von All-Gender-Toiletten einsetzen, da ich sie für eine Möglichkeit halte eine diskriminierungs- und barrierefreie Nutzung von Toiletten für alle Menschen zu ermöglichen . 
  4. Einen Gleichstellungsbeirat gibt es im Moment in Nordsachsen noch nicht. Andere Gebietskörperschaften verfügen über solch einen Beirat, aus den dort gemachten Erfahrungen möchte ich gern für Nordsachsen lernen und positive Anregungen für Nordsachsen aufgreifen. Ich stehe der Idee eines Gleichstellungsbeirates für Nordsachsen offen gegenüber. Als ein beratendes, fachlich ausgerichtetes, überparteiliches Gremium, in dem selbstverständlich auch die Belange von lsbtiq* Personen Raum haben müssen, kann er wichtige Impulse für eine aktive Gleichstellungspolitik als auch für das Verwaltungshandeln in Nordsachsen setzen. Dieser Beirat könnte aus meiner Sicht die Arbeit der Gleichstellungsbeauftragten in Nordsachsen ergänzen und stärken. Aber auch ohne einen aktiven Beirat bin ich als Ansprechpartner immer offen für Ideen und Vorschläge, die ich dann einbringen kann, oder ihr vertretet sie als Teil der Gesellschaft oder des politischen Geschehens aktiv selbst mit.
  5. Die Sichtbarkeit queerer Menschen ist wichtig, um die Menschen mitzunehmen, aufzuklären, Queerness im Alltag der Menschen präsent zu machen, es nicht zu verstecken oder wegzureden. Dies ist zum Beispiel durch das Hissen der Regenbogenflagge zu entsprechenden Anlässen vor dem Verwaltungssitz in Torgau möglich. Auch nach Möglichkeit geschlechtergerechte Sprache einzusetzen, zählt für mich dazu. Außerdem wird ein CSD von mir als kulturelle, die Gesellschaft bereichernde Veranstaltung ebenso öffentlichkeitswirksam unterstützt, wie das Familienfest in Delitzsch, ein Jubiläum des THW in Torgau, ein Seniorenfest oder große Konzertveranstaltungen. Denn wenn es darum geht, die Gesellschaft und Kultur unseres Landkreises abzubilden, gehört die queere Community gleichermaßen dazu.

Sächsische Schweiz-Osterzgebirge

Ivo Teichmann (AfD)

  1. Ich stehe für eine gleichberechtigte Behandlung der Menschen, ganz egal welchen Geschlechts oder welcher sexuellen Orientierung sie sind. Als Kreisrat sind mir dazu auch keine größeren Problemlagen bekannt. Lediglich acht Intersexuelle haben in ganz Sachsen seit dem 1. Juli 2021 ihre Geschlechtsangabe in „divers“ geändert. Zudem wurden in dieser Zeit drei Babys als „divers“ in das Geburtenregister eingetragen. Das ergab eine Anfrage an die Staatsregierung,  Zweifelsohne – Minderheiten sind zu respektieren. Es ist aber nicht hinnehmbar, dass wegen solch einer kleinen Gruppe das binäre Geschlechtssystem und arbeitsrechtliche Vorschriften aufgeweicht werden.  Die Verhältnismäßigkeit muss gewahrt werden.
  2. Eine geschlechterspezifische Sprache halte ich nicht für erforderlich,  sie erschwert häufig nur unnötig die Kommunikation.
  3. Zu Frage 3 sollten Sie als Interessenvertreter konkrete und machbare Vorschläge zur Prüfung auf deren Umsetzbarkeit und Akzeptanz unterbreiten.
  4. Zu Frage 4, wir haben im Landkeis eine Gleichstellungsbeauftragte, einen zusätzlichen Beirat für Belange von lsbtiq* Personen ist nicht vorgesehen und aktuell wohl auch nicht notwendig. 
  5. Zur Frage 5 ist zu sagen, dass dies eine interne Angelegenheit der betreffenden Personen ist, auch aus datenschutzrechtlicher Betrachtung. Für einzelne, konkrete Problemfälle im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge stehe ich Ihnen gern lösungsorientiert zur Verfügung. 

Michael Geisler (CDU)

  1. Ich bin mir dessen bewusst, dass es auch im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge Fälle von Diskriminierung und Ausgrenzung von queeren Menschen gibt. Deshalb ist es mir wichtig, dass keine Diskriminierung von queeren Menschen im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge stattfindet. Gerne biete ich der queeren Community des Landkreises einen Gesprächstermin an um gemeinsam zu schauen, welche Aspekte die Lebensqualität verbessern würde.
  2. In unserer Sprache spiegelt sich unsere Sicht auf die Welt, in der wir leben, wider. Wie sich unsere Sichten immer wieder verändern, so verändert sich auch unsere Sprache. Beispiele dafür sind Wörter, die zu bestimmten Zeiten auftauchen und wieder verschwinden, wenn sie nicht mehr unsere Wirklichkeit widerspiegeln können. Sprache ändert sich folglich ständig, ist anpassungsfähig und flexibel. Ich bin offen für eine geschlechtergerechte Sprache solange sie auch für die Verwaltung praktikabel ist. Als Leiter der Landkreisverwaltung muss ich mich an die gesetzlichen Grundlagen halten, die aktuell im Bereich von rechtlichen Texten wenig Gestaltungsspielraum zulässt. In der Verwaltung sind wir bemüht durch neutrale Formen möglichst alle anzusprechen. 
  3. Indem grundsätzlich trans* und inter* Personen die Toilette nutzen können, die sie nutzen wollen. Ich glaube, dass es weniger ein Problem der Toilettenproblematik an sich ist als der anderen Personen. Hier ist eine Offenheit aller nötig, die unangebrachte Fragen verhindert. 
  4. Ich nehme war, dass die Themenvielfalt von LSBTTIQ*Personen auch im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge zunimmt und der CSD Pirna e. V. ein Treff in Pirna eingerichtet hat sowie den Christopher Street Day auf dem Marktplatz in Pirna veranstaltet. Zusätzlich finden über den Gerede e. V. Beratungen im Landkreis statt, wo die Vernetzung im Moment ausgeweitet wird. Aus diesen Gründen schwebt mir aktuell kein Gleichstellungsbeirat vor.
  5. Mir geht es weniger um die Sichtbarkeit queerer Menschen als um die passende Infrastruktur. Mit dem bereits angesprochenen Angeboten des CSD Pirna e. V., dem Gerede e. V. und der intensivierten Vernetzung wird diese stetig verbessert. Ich bin mir dessen bewusst, dass es durchaus noch Lücken im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge gibt. Wie bei der ersten Frage bereits geantwortet, lade ich gerne die queere Community des Landkreises zu einem gemeinsamen Austausch ein.

Andreas Hofmann “DJ Happy Vibes” (Freie Sachsen)

  1. Ich denke, der Anspruch an die Lebensqualität queererer Menschen unterscheidet sich nicht viel von dem, normaler Menschen.
    Grenzen wir niemanden aus. Diese Denkschablonen, die uns seit  Jahren aufgedrückt werden, gibt’s nämlich in Wirklichkeit gar nicht. Es gibt kein rechts und kein links,kein rot kein grün kein blau, es gibt nur blöde und nicht blöde – vernünftig oder unvernünftig, sachlich oder unsachlich!
     Es ist vordergründig völlig egal, wo jemand herkommt, welche Sprache er spricht, Hautfarbe, Religion, ob jemand geimpft oder nicht geimpft ist oder ob er sich anders fühlt. Mir ist nur eines wichtig, dass wir uns in unserer Eigenständigkeit respektieren, auch in unseren Verfehlungen und Ängsten. Nehmen wir uns gegenseitig so an, wie wir sind und lassen uns nicht weiter gegeneinander ausspielen, denn wir alle sind Abbild dieses Volkes
  2. Es gibt schon über viele Jahrzehnte ein Regelwerk für die deutsche Sprache. Es dient zur Standardisierung der Kommunikation und hat sich bewährt. Man kann nicht wegen jeder Befindlichkeit bewährte Regeln ändern, es sei denn, die Forderungen kommen von einer sehr großen Basis. Da sind wir wieder beim Prinzip der Demokratie.
  3. Mit Verlaub, jeder Mensch macht auf dieselbe Art und Weise sein Geschäft. Warum also Toiletten extra für jemanden bauen und so die öffentlichen Haushalte überstrapazieren. Bei Menschen mit Behinderung verstehe ich es ja, da sie in der Nutzung der normalen Toiletten eingeschränkt sind – aber Ihre Gruppe sind gesunde Menschen, die genauso die normale Toilette benutzen können, wie jeder andere Mensch.
  4. Einen Gleichstellungsauftragten gibt es ja schon. Einen Gleichstellungsbeirat fände ich gut. Darin sollte sich jede größere Interessengruppierung wiederfinden.
  5. Indem wir mit dem Thema tolerant umgehen. Aber für seine Sichtbarkeit ist jeder Mensch selbst verantwortlich, der mehr sichtbar sein möchte.Hier setze ich auf kompetente Selbstorganisation und Aktion der LSBTIQ. Die Aufgabe des Staates sollte vordergründig sein, die Familie (Mann / Frau), welche Ursprung alles Leben sind, zu unterstützen. Nur Kinder sichern den Fortbestand unserer Menschheit.Oder mit einer Metapher zu sprechen: Sie haben einen Garten mit wunderschönen exotischen Zierpflanzen, die ihr Herz erfreuen (und dies gehört einfach zum Leben dazu) und sie haben Nutzpflanzen, die den Menschen ernähren. Der Mensch kann sich nicht mit 100 % seiner Zeit nur um Zierpflanzen kümmern, die Nutzpflanze braucht er , um zu überleben.

Vogtland

Thomas Fiedler (SPD)

  1. Die gleichberechtigte Teilhabe aller Geschlechter und Identitäten ist ein Gewinn für die ganze Gesellschaft. So können alte Rollen- und Denkmuster aufgebrochen werden. Deshalb will ich mich dafür einsetzen, dass LSBTIQ* Personen im Alltag gleichbehandelt werden. Auch die Öffentlichkeitsarbeit zur Lebenssituation von LSBTIQ* Personen im Vogtland ist dringend verbesserungsbedürftig. Homo-, Bi-, Trans- und Interphobie und Gewalt gegen LSBTIQ* werde ich mich konsequent entgegenstellen.
  2.  Die SPD nutzt in ihren Programmen und Veröffentlichungen schon seit Jahren die geschlechtergerechte Sprache. In der Öffentlichkeit wird dies jedoch noch immer mehrheitlich abgelehnt. Deshalb will ich mich dafür einsetzen, geschlechtergerechte Sprache in den Veröffentlichungen des Vogtlandkreises zu etablieren.
  3. Das Konzept geschlechtsspezifischer Toiletten ist nicht mehr zeitgemäß. Ich werde mich für mehr Unisex-Toiletten im öffentlichen Raum einsetzen. Damit muss sich kein Mensch mehr zwischen „Herren“ und „Damen“ entscheiden.
  4. Ein solcher Beirat wäre eine Bereicherung für das bürgerschaftliche Engagement im Vogtland. Deshalb werde ich als Landrat die Gründung eines Gleichstellungsbeirates unterstützen.
  5. Dazu werde ich mich nach meiner Wahl mit allen interessierten Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans-, Inter- und queeren Menschen des Vogtlandes treffen und über geeignete Maßnahmen beraten.

Janina Pfau (Die Linke)

  1. Im Vogtlandkreis gibt es fast keine Angebote für queere Menschen. Aus diesem Grund müssen wir endlich eine Anlaufstelle etablieren und auch Schutzräume schaffen. Zusätzlich kommen natürlich die sozialen, kulturellen und sportlichen Verbesserungen, die ich einführen will, auch queeren Menschen zugute. Es ist dringend notwendig, dass die Kreisverwaltung in diesem Bereich sensibler wird. 
  2. Sollte ich Landrätin werden, wird in der Verwaltung die geschlechtergerechte Sprache eingeführt.
  3. Im Vogtlandkreis gibt es wenige öffentliche Toiletten, diese sind im Eigentum der Kommunen. Ich werde das Thema aber gerne bei den Bürgermeister*innen ansprechen. In den Gebäuden des Landratsamtes werde ich mindestens eine öffentliche Toilette für trans* und inter* Personen einführen.
  4. Ich finde die Idee sehr gut und würde mich auch dafür einsetzen. Im Allgemeinen möchte ich für alle Personengruppen, welche bisher kaum Gehör im Vogtlandkreis erhalten, als Ansprechpartnerin gelten.
  5. Das grundlegende Problem liegt darin, dass queere Menschen aufgrund der Vorurteile und vielen Bedrohungen sich nicht trauen bzw. nicht alle trauen, ihrem Leben offen in der Öffentlichkeit nachzugehen. Bekämpfen und reduzieren wir diese Umstände, wird das tägliche Leben zu mehr Sichtbarkeit führen. Es gibt zwar den Geschäftsbereich der Gleichstellung im Vogtlandkreis, aber leider wurde hier noch nie wirklich moderne Gleichstellungspolitik erarbeitet. Ich möchte diesen Bereich neu aufstellen. Dazu gehört natürlich auch, dass dieser Bereich als Anlaufstelle für queere Personen fungiert und dass neue Veranstaltungen und Aktionswochen für mehr Sichtbarkeit sorgen. Gerne auch in Zusammenarbeit mit Ihnen.

Thomas Hennig (CDU)

Ich bin mir dessen bewusst, dass queere Menschen und deren Bedürfnisse in vielen Bereichen auch im Vogtland noch keine hinreichende Beachtung und Berücksichtigung finden. Wir stehen hier vor Herausforderungen für die Zukunft, gerade was Vielfalt und Toleranz anlangt.

Um diese Herausforderungen zu meistern und damit den Belangen queerer Menschen Rechnung zu tragen, werde ich im Falle einer Wahl zum Landrat im Vogtlandkreis die Gleichstellungsbeauftragte für Ihre Anliegen sensibilisieren.

Ich möchte dadurch auch Vorurteilen und Diskriminierung frühzeitig begegnen und für alle eine gemeinsame Basis schaffen. Zudem sollen Probleme und Potenziale in der Gesellschaft und ebenso in der Verwaltung zügig erkannt und kurzfristig Lösungen erarbeitet werden. Das betrifft im Kern die Antworten auf all Ihre Fragen, das betrifft die Lebensqualität und das Miteinander aller Menschen ebenso, wie beispielsweise eine geschlechtergerechte Sprache.

Dr. Uwe Drechsel (parteilos)

  1. Indem ich mich ihnen gegenüber so verhalte, wie ich von jedem mir unbekannten Menschen behandelt werden will.
  2. Ich bin mir bewusst, dass Worte verletzen können. Denn: Sprache ist Spiegel der Gesellschaft, in der wir leben, und damit Spiegel täglicher Ungerechtigkeit. Wir müssen versuchen, diese Ungerechtigkeit kleiner zu machen.  Jeden Tag und auch mit sorgfältiger Wortwahl. Sprache kann viel – aber sie kann nicht alles, auch geschlechtergerechte Sprache kann das nicht. Immer wird es Menschen geben, die „durch die Sprache fallen“. Deshalb brauchen wir eine menschliche Sprache und die lässt sich mit normalen Worten formulieren.
  3. Am besten wären Uni-Toiletten – aber dann gibt es Kritik von anderen Menschengruppen. Welche Wünsche haben trans* und inter* Personen? Darüber müssen wir reden.
  4. Ich stehe diesem Vorschlag positiv gegenüber.
  5. Es fängt in der Kindheit an: Wir brauchen auch Kinderbücher, die sich küssende Männer zeigen oder ein Elternpaar, das aus zwei Frauen besteht. „Mein“ Jugendamt ermuntert Kindergärten, solche Bücher anzuschaffen. Queere Menschen müssen allerdings ihre Sichtbarkeit auch wollen. Vielleicht kann ich helfen, einen entsprechenden Verein zu gründen. Oder welche Wünsche gibt es in der Richtung?

Zwickau

Jens Juraschka (SPD)

  1. Mit dem Erstarken des rechtsnationalen und rechtskonservativen Mainstreams in Sachsen abseits der Großstädte geht auch eine Verschlechterung der Lebensqualität queerer Menschen einher. Die Ablehnung einer pluralen und diversen Gesellschaft trifft nicht nur Migrant*innen, ethnische und religiöse Minderheiten, sondern eben auch Menschen mit sexuellen Identitäten oder Orientierungen, die von der Mehrheitsnorm abweichen. Ich würde es deshalb als eine meiner Aufgaben als Landrat verstehen, mich innerhalb der Verwaltung sowie in der Ansprache der Bürger*innen beständig für ein gesellschaftliches Klima der Vielfalt und Toleranz einzusetzen und queerfeindlichen Stimmungen unmissverständlich entgegenzutreten. 
  2. Denken prägt Sprache und Sprache prägt Denken. Es ist deshalb an der Zeit für eine geschlechtergerechtere Sprache und es ist gut, dass darüber inzwischen gesellschaftlich breit diskutiert wird. Durchsetzen werden sich Alternativen im gesprochenen Wort und in der geschriebenen Sprache, wenn sie für einen großen Teil der Bevölkerung nachvollziehbar und als praktikabel empfunden werden. Gerade in einem konservativ geprägten Landkreis würde ich als Landrat deshalb die Bürger*innen nicht mit einer maximal durchgegenderten Sprache vor den Kopf stoßen, mit meiner eigenen Wahl der Sprache aber Stellung beziehen und zum Nachdenken anregen. Zum Beispiel lehne ich den ausschließlichen Gebrauch des generischen Maskulinums ab.
  3. Was in Skandinavien, Neuseeland, Australien und Teilen der USA schon lange relativ unproblematisch praktiziert wird, ließe sich auch in den Liegenschaften der Verwaltung des Landkreises Zwickau umsetzen: Die Einrichtung von “WC´s für alle Geschlechter”, also geschlechtsneutraler Toiletten. Wo die baulichen Gegebenheiten dies hergeben (abschließbare Einzeltoiletten mit WC-Becken und ggf. einem Urinal), ließe sich oft schon durch die veränderte Beschriftung als geschlechtsneutrale Toiletten das Alltagsleben von trans- und intergeschlechtlichen Personen erleichtern. 
  4. Eine unterstützenswerte Idee, die ich als Landrat mit der Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises Zwickau zeitnah erörtern würde.
  5. Da verweise ich auf meine Antwort zu Frage 1: Die Sichtbarkeit queerer Menschen ist von einer Mehrheitsgesellschaft abhängig, die Vielfalt und Unterschiedlichkeit nicht als Bedrohung, sondern als Chance und Reichtum begreift. Für eine solche Gesellschaft setze ich mich schon lange beruflich, kommunalpolitisch und privat ein. Als Landrat würde ich außerdem meine Möglichkeiten ausschöpfen, Symbole zu setzen, z.B. das Hissen von Regenbogenflaggen vor Verwaltungsgebäuden des Landkreises jeweils am 17. Mai.

Dorothee Obst (Freie Wähler)

  1. Ich möchte, dass sich alle Menschen im Landkreis vollständig und gleichberechtigt in allen gesellschaftlichen Bereichen beteiligen können – und zwar von Anfang an und
    unabhängig von individuellen Fähigkeiten, ethnischer wie sozialer Herkunft,
    Geschlecht, Alter oder Familienform. Das haben wir in der Stadt Kirchberg, in der ich seit 2013 Bürgermeisterin bin, bereits im Jahr 2015 im Rahmen des Zertifikates Familiengerechte Kommune festgeschrieben. Dabei ist es mir ein besonderes Anliegen nicht über die Menschen zu entscheiden, sondern mit den Menschen. Ich bin sehr daran interessiert, wo Sie hier Handlungsbedarf sehen und die Lebensbedingungen verbessert werden können. 
  2. Mir wichtig Bürokratie abzubauen und in den Ämtern wieder mehr Wert auf Beratung und Unterstützung zu legen. Nur eine geschlechtergerechte Sprache einzuführen ändert hier in meinen Augen nichts. Ich möchte, dass sich Antragstellende willkommen fühlen sowie Respekt und Wertschätzung erfahren. Das erreicht man nur, indem man es als Landrat / Landrätin vorlebt. Ich versuche weitestgehend von z.B. Bürgerinnen und Bürgern zu sprechen, den Sprachgebrauch Bürger*Innen lehne ich aber ab. 
  3. Oftmals ist in Richtlinien immer noch die Trennung bei Toiletten zwischen den Geschlechtern vorgeschrieben. Die Änderung von Richtlinien obliegt hier dem Gesetzgeber.  Bei der Neuschaffung von öffentlichen Toiletten kann ich mir aber durchaus vorstellen Unisex-Toiletten einzurichten, sofern diese in meinen Zuständigkeitsbereich fallen.  
  4. Im Landkreis Zwickau gibt es eine Gleichstellungsbeauftragte und eine Behindertenbeauftragte sowie einen Behindertenbeirat. Diese sollten im Sinne meiner Antwort zu Frage 1 zusammenarbeiten und alle Menschen vertreten. Hier sehe ich ein großes Potential auch Ihre Anliegen mit aufzunehmen. Allerdings sind das Gremien, die nur beratend fungieren, was mich zu Frage 5 bringt.
  5. Ziel sollte es daher aus meiner Sicht sein, dass auch die Politik genau die Vielfalt der Menschen abbildet. Deshalb würde ich mich freuen, wenn mehr lsbtiq* Personen auch ein politisches Amt anstreben.