Geschlechterreflektierte Pädagogik

Geschlechtsbewusste und vielfaltsorientierte Ansätze in Fragen der Bildung, Erziehung und Sozialisation stellen eine Grundlage für eine diskriminierungskritische und vorurteilsfreie Gesellschaft dar. Pädagogisches Handeln auf Basis der Anerkennung der spezifischen Lebensrealitäten und Erfahrungen von Männern* und Frauen*, Mädchen* und Jungen* begreift Vielfalt in Gleichheit und wirkt auf die selbstbestimmte und diskriminierungsfreie Entwicklung von Kindern und Jugendlichen hin.

Auf Basis sozialwissenschaftlicher Erkenntnisse muss sich diese Grundhaltung insbesondere in der Lehr- und Berufspraxis sowie als Bestandteil in Aus- und Weiterbildung von Lehrer*innen und Erzieher*innen etablieren. Es bedarf eines gut ausgebildeten und professionell arbeitenden pädagogischen Personals, um das Thema sexuelle und geschlechtliche Vielfalt in Bildungseinrichtungen und bei Trägern der Kinder- und Jugendhilfe zu verankern und es gesellschaftlich einer sachlichen Diskussion zuzuführen.

Projekte und Maßnahmen der LAG und ihrer Mitgliedsvereine

Außerschulische Bildungs- und Aufklärungsprojekte

  • Akzeptanz versetzt Berge (Chemnitz) Link
  • Respekt beginnt im Kopf Link & Schulprojekt Liebesleben (Dresden) Link
  • Liebe bekennt Farbe (Leipzig) Schulprojekt Link & Erwachsenenbildung Link

Fachexpertise zur geschlechterreflektierenden Arbeit mit jungen Menschen in Sachsen

“Alle Kinder und Jugendlichen haben per Gesetz einen Anspruch auf ein gesundes Aufwachsen, eine freie Persönlichkeitsentwicklung und gleichberechtigte Entwicklungschancen. Einrichtungen und Angebote der Kinder- und Jugendhilfe in Sachsen stehen allen Kindern und Jugendlichen offen; sie sollen unterschiedliche Lebenslagen berücksichtigen [und] Benachteiligungen abbauen.” Dieses Zitat der Sächsischen Staatsregierung zielt auf den Abbau von Benachteiligungen aufgrund der geschlechtlichen und sexuellen Identität.

Aktuelle wissenschaftliche, gesellschaftliche und juristische Wandlungsprozesse bestätigen die Vielfalt von Geschlecht und Sexualität. Die Schaffung eines dritten positiven Geschlechtseintrages und die Öffnung der Ehe für Alle sind Beispiele dafür. In der Kinder- und Jugendhilfe existieren im Freistaat für Mädchen*- und Jungen*arbeit differenzierte Leitlinien. Diese entwickeln jedoch kaum Bezüge zur pädagogischen Arbeit mit Trans*-, Inter*-, queeren oder nicht-binären Kindern und Jugendlichen. Für die Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendhilfe erfordert dies eine entsprechende Sensibilisierung in Strukturen, Angeboten und Settings.

In Sachsen ist es bundesweit erstmals gelungen, eine Fachexpertise zu erstellen, welche die Perspektiven von Mädchen* und Jungen* sowie queeren Kindern und Jugendlichen zusammendenkt. Herausgegeben wird sie von der Landesarbeitsgemeinschaft „Mädchen und junge Frauen in Sachsen” e.V., der Landesarbeitsgemeinschaft Queeres Netzwerk Sachsen e.V. und der Landesarbeitsgemeinschaft Jungen- und Männerarbeit Sachsen e.V.  Über 20 Fachkräfte und Praktiker*innen aus der Kinder- und Jugendhilfe führten innerhalb eines partizipativen Prozesses über zwei Jahre einen breiten und intensiven Dialog. Das Produkt dieses Beteiligungsprozesses liegt nun für Fachkräfte und Multiplikator*innen der Kinder- und Jugendhilfe vor. 

Jungen*arbeit, Mädchen*arbeit und die Arbeit mit Inter*-, Trans*- und nicht-binären Kindern und Jugendlichen klingen wie einzeln abgrenzbare Fachgebiete. Die Lebenswirklichkeiten, Chancen und Möglichkeiten von Mädchen*, Jungen* und queeren Kindern und Jugendlichen wie Teilhabe, Anerkennung und Selbstverwirklichung sind in unserer Gesellschaft unterschiedlich. Dass sie dennoch grundlegend verbunden sind, verdeutlicht der gemeinsame Bezug zu Geschlechterreflexion und die Analyse gesellschaftlicher Machtdynamiken mit Blick auf Geschlecht. Deshalb ist eine gemeinsame Expertise, welche Jungen*, Mädchen*, Inter*-, Trans*- und nicht-binäre Kinder und Jugendliche zusammendenkt und dennoch differenziert betrachtet und beschreibt, sinnvoll und erforderlich. Diese ermöglicht es nun erstmals, mittels einer geschlechterinklusiven Herangehensweise die Zusammenarbeit dieser Fachrichtungen zu denken und mit Leben zu füllen.

Neben der pädagogischen Relevanz ist die Fachexpertise politisch wirksam und dient Entscheidungsträger*innen zur Implementierung geschlechterreflektierender Arbeit als Bildungsziel und innerhalb der Jugendhilfeplanung. Sie animiert zum Ausbau nachhaltiger und vielfaltssensibler Strukturen. Land und Kommunen können hierbei Impulsgeber*innen sein. Alle Beteiligten und Verbündeten sind herzlich eingeladen, zur Umsetzung der Fachexpertise beizutragen. 

Die Fachexpertise wird am 28.04.2020 in der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung in Dresden der Fachöffentlichkeit vorgestellt.

Die Bestellung von Druckexemplaren der Fachexpertise ist für eine Versandpauschale über info@queeres-netzwerk-sachsen.de möglich.

Sachsenweit

Forschungs- und Netzwerkstelle “Vielfalt lehren!” an der Universität Leipzig Link

23.10.2018: Fachtag “Vielfalt lehren. Sexuelle und geschlechtliche Vielfalt in der Lehre des Lehramtsstudiums”. Universität Leipzig Link

Maßnahmen und Instrumente des Freistaats Sachsen

Orientierungsrahmen für Familien- und Sexualerziehung an sächsischen Schulen (01.12.2016) Link